
Rede zur Organisationsuntersuchung und Verwaltungsstrukturreform – CDU-Fraktion Goslar
29. September 2025
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,
kein leichter Gang, denn die Organisationsuntersuchung ist sicher kein Gewinnerthema, wenn wir es auf die Diskussionen der letzten Monate und unterschiedlichen Darstellungen von Fachbereichen, Eigenbetrieben, Mitarbeitern, Mitarbeitergruppen, Personalvertretung und Kulturvertretern nach Veröffentlichung des erstellten Gutachtens und der heute vorliegenden Verwaltungsvorlage betrachten. Der Prozess hat lange gedauert und – das verstehen wir vollkommen – auch für Verunsicherung bei der Belegschaft gesorgt.
Die Ergebnisse der Organisationsuntersuchung zeigen aber, dass unsere Strukturen an vielen Stellen zu komplex, zu kleinteilig und nicht mehr zeitgemäß sind. Diese Erkenntnis war doch nicht nur der CDU bekannt, als wir schon vor Jahren für eine Organisationsuntersuchung geworben haben, die letztendlich eine Ratsmehrheit ebenso mitgetragen hat, wie die Verwaltungsspitze. Auch kennen wir alle doch kritische Anmerkungen aus der Bürgerschaft, also von denen, für die eine Verwaltung in aller Regel Dienstleister sein muss. Und in der Wirtschaft sind Umstrukturierungen und Anpassungen an wirtschaftliche und strukturelle Begebenheiten ein völlig normaler Prozess.
In Summe stehen wir vor Herausforderungen wie – knappe Personalressourcen, Haushaltskonsolidierung, Digitalisierung und steigende Anforderungen an Service und Steuerung – All das verlangt nach einer klaren Antwort. Diese Antwort konnte nur eine Reform unserer Aufbauorganisation sein, die eigentlich aus der Verwaltung heraus hätte geschehen müssen.
Von der jetzt vorgelegten Form der Umstrukturierung erhoffen wir uns eine Verwaltung, die effizienter, bürgernäher und zukunftsfähiger aufgestellt wird und eine gleichzeitige Entzerrung von Prozessen. Eine von uns angeregte gestaffelte Umsetzung über drei Jahre soll Planungssicherheit schaffen, ermöglicht Qualität und Raum für erforderliche Kommunikation aller Betroffenen und Hilfestellung all derer, die diesen Prozess begleiten. Die CDU sieht hier in erster Konsequenz und Verantwortung Frau Oberbürgermeisterin und den Ersten Stadtrat, der dieses im letzten Finanzausschuss nach meinem Hinweis auch bestätigte. Ihre Moderation und Überzeugung müssen diesen Prozess tragen.
Im Rahmen der Organisationsuntersuchung und der Diskussion zur zukünftigen Aufbaustruktur haben wir uns als CDU bewusst Zeit genommen, mussten sie uns nehmen, um die unterschiedlichen Perspektiven sorgfältig abzuwägen. Diese Verzögerung war kein Ausdruck von Unentschlossenheit, sondern ein Zeichen verantwortungsvoller Prüfung, auch wenn uns das gerne gegenteilig ausgelegt wurde. Das Thema ist zu wichtig, um es auf die Schnelle zu erledigen, insbesondere wenn noch Diskussionsbedarf und Nachfragen bestehen
Ein zentraler Punkt ist die Umwandlung des Eigenbetriebs Goslarer Gebäudemanagement in einen Geschäftsbereich der Kernverwaltung. Dieser wurde auch am stärksten diskutiert. Der erhoffte und versprochene Nutzen: Vereinfachung von Strukturen, Abbau von Doppelstrukturen, Vereinheitlichung von Maßstäben und eine gleichmäßige Verteilung begrenzter Personalressourcen, verbesserte Steuerung, um die gesamtstädtische Ziel- und Prioritätensetzung zu erreichen. Die Zusammenführung unterschiedlicher Finanzsysteme – HGB und NKR – mag einen einmaligen Umstellungsaufwand bedeuten, sollte aber langfristig Flexibilität und Effizienz schaffen, die auch der Fachlichkeit zugutekommt.
Durch gezielte Anfragen und Austausch haben wir weiteren Klärungsbedarf gehabt, aber auch Gedanken aufgeworfen, um weitere Aspekte zu betrachten. Eine gemeinsame Serviceeinheit für die Eigenbetriebe gilt es zu erproben. Aufgaben wie Buchhaltung, Personal und Digitalisierung könnten zentral gebündelt werden – unabhängig von einer vollständigen Reintegration. So entlasten wir die Betriebe und nutzen Synergien, ohne fachliche Eigenständigkeit aufzugeben. Forst, Betriebshof und Stadtwerke sollen weiterhin als fachlich bezogene Eigenbetriebe bestehen. Perspektivisch begrüßen wir, ob Sportstätten ggf. in die Stadtwerke integriert werden können, um wirtschaftliche Vorteile generieren zu können. Im Rahmen unserer zukünftigen Haushaltsentwicklungen mindestens betrachtenswert.
Ein weiterer Vorschlag betrifft die Einbindung der Mitarbeitenden in die Prozessanalyse. Sie kennen die Abläufe, sie erleben die Schnittstellenprobleme. Ihre Perspektive ist unverzichtbar für eine realistische und wirtschaftlich sinnvolle Neuausrichtung. Ein begleitendes Controlling muss sicherstellen, dass definierte Prozesse auch gelebt werden – wie uns das Beispiel DA Bau eindrücklich zeigt.
Die Einrichtung des GGM als Fachbereich 4 wird von uns aber auch mit Skepsis begleitet. Diese Einschätzung wird sich auch im Abstimmungsverhalten unserer Fraktion widerspiegeln. Mitglieder meiner Fraktion sehen die Zielsetzung mit der Vorlage als verfehlt an.
Ausschlaggebend für eine mehrheitlich positive Haltung sind jedoch die bereits genannten Komponenten – insbesondere die wirtschaftlichen und personellen Vorteile, die durch die neue Organisationsstruktur entstehen können. Am Ende ist es der Vorschlag der Verwaltungsspitze, von Frau Oberbürgermeisterin und Erstem Stadtrat, der eine deutliche Effizienzsteigerung verspricht und damit das Gewicht in der Abwägung beeinflusst. Beide haben gezielt betont, dass dies die Struktur ist, die sich nicht nur vorstellen, sondern auch davon ausgehen, dass die gewünschten Effekte eintreten.
Die von uns beantragte Einrichtung einer Stabsstelle für strategische Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung sowie die Prüfung räumlicher Synergieeffekte innerhalb der Verwaltung ist für uns ein elementarer Baustein. Es ist zwingend notwendig diese Betrachtung bei der Verwaltungsspitze, hier Erster Stadtrat, zu verorten. Beiläufig darf ich an die Bearbeitung des Ratsbeschlusses zum von uns georderten Masterplan 2040 erinnern, ebenso müssen im Rahmen des Organisationsumbaus und unter Berücksichtigung von zunehmender Digitalisierung und Einsatz von KI auch neue Raumkonzepte geprüft werden – bessere Zusammenarbeit und effizientere Nutzung – sind hier Stichworte.
Die Integration des Fachbereichs Kultur zurück in Bereich Bildung, Familie und Soziales wird u.a. durch Kulturschaffende kritisiert. Aber auch hier geht es um organisatorische Anpassungen zur Optimierung vorhandener Prozesse. Aus unserer Sicht wird die Wahrnehmbarkeit von Kultur in unserer Stadt keineswegs beschnitten, sondern die Steuerungsfähigkeit im Fachbereich Kultur sollte spürbar erhöht werden. Die Bündelung von Zuständigkeiten, die Einführung digitaler Lösungen sowie die zentrale Veranstaltungskoordination soll klarere Strukturen schaffen, Mitarbeiter entlasten und eine stärkere Fokussierung auf den fachlichen Kern unserer Kulturarbeit schaffen, indem wir Raum für Qualität und kreative Weiterentwicklung gewinnen. So stärken wir nicht nur die Effizienz, sondern auch die kulturelle Strahlkraft dieses dann Fachdienstes.
Wir sind zudem überzeugt, dass die Kulturschaffenden in unserer Stadt so stark vernetzt sind, dass eine Schwächung unrealistisch erscheint. Und gibt es nicht auch andere wichtige Bereiche, die eine vergleichbare exponierte Stellung beanspruchen könnten: Sport, Sicherheit, Digitalisierung, Bildung, Ehrenamt. Nicht der Name von Fachbereichen macht es aus, sondern das gelebte Miteinander in einem Konstrukt optimierter Handlungsabläufe.
An dieser Stelle erlauben Sie mir ein, zwei persönliche Anmerkungen: Ein Umfallen und das Aushandeln eines Deals zu Lasten der Kultur weise ich deutlich von mir und meiner Fraktion. Und auch die Verärgerung beim GGM ist für mich nachvollziehbar, denn deren ablehnende Haltung zeugt davon, dass man sich mit den Veränderungen mehr als nur auseinandergesetzt hat. Aber wir müssen eine Entscheidung treffen, die möglichst unabhängig persönlicher Befindlichkeiten oder Einflüsse erfolgt. Nicht einfach, glauben Sie mir.
Wir sollten und müssen uns weiter vor Augen führen, dass wir weitere Schritte im Organisationsaufbau zu prüfen haben. Die CDU kann sich beispielhaft vorstellen auch den Bereich Öffentlichkeitsarbeit strategisch neu auszurichten und über die Art und Weise zu sprechen, wie wir unsere Stadt nach außen präsentieren. Die Öffentlichkeitsarbeit ist dabei nicht nur ein Mittel zur Information – sie ist ein strategisches Instrument zur Gestaltung von Identität, zur Förderung von Beteiligung und zur Stärkung des Vertrauens in unsere Verwaltung.
Derzeit ist die Öffentlichkeitsarbeit auf vier Stellen verteilt: das Büro der Oberbürgermeisterin, das Kulturmarketing, das Stadtmarketing für Goslar und das Stadtmarketing für Hahnenklee. Jede dieser Einheiten leistet wertvolle Arbeit in ihrem Bereich. Doch mit Blick auf die Herausforderungen von morgen stellt sich die Frage: Ist diese Struktur noch zeitgemäß?
Die CDU sieht Chancen in der Bündelung der Öffentlichkeitsarbeit – sei es organisatorisch, konzeptionell oder operativ.
Sehr geehrte Damen und Herren, diese Reform ist kein Selbstzweck. Sie ist ein notwendiger Schritt, um unsere Verwaltung auf die Höhe der Zeit zu bringen. Vor uns sollte ein gemeinsamer Weg liegen – mit Augenmaß, mit Beteiligung und mit dem klaren Ziel, unsere Stadt zukunftsfest zu machen.
Auch wenn es sich heute nicht für alle so anfühlt.
Vielen Dank.
Norbert Schecke, Fraktionsvorsitzender